Wenn Sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wollen Sie die noch verbliebenen Körperfunktionen natürlich noch möglichst lange in guter Verfassung halten. Viele Menschen wissen nicht, welchen Einfluss die Einstellung, Flexibilität und Wartung des Rollstuhls auf ihre Gesundheit und Körper haben. Jeroen Mengerink, Berater bei O4 Wheelchairs, erklärt.

Die Frage nach Fehlvorstellungen von Rollstuhlbenutzern, mit denen sie ihrem Körper unbewusst schaden, beantwortet Jeroen entschieden: „Der Wunsch nach Leichtgewichtrollstühlen und zu ‚sicheren‘ Einstellungen.“  Viele Rollstühle sind auch nicht ausreichend flexibel und können deshalb nicht mit den Bedürfnissen ihrer Benutzer mitwachsen, darüber hinaus kann sich auch die mangelhafte Wartung negativ auswirken. Die Folgen gehen von Wundstellen durch langes Sitzen und Ermüdung bis hin zu Verschleißerscheinungen an Schultergelenken und Wirbelsäule.

Unterschied zwischen leichtgewichtig und leichtläufig

Unter den Rollstuhlbenutzern hält sich ein Irrtum sehr hartnäckig; damit man sich leicht fortbewegen kann, benötigt man einen leichtgewichtigen Rollstuhl. Natürlich spiel das Gewicht eines Rollstuhls eine wichtige Rolle, aber: „Wenn ein Modell und dessen Einstellung nicht zum Körper und den Aktivitäten des Benutzers passt, wird sich - wie leicht der Rollstuhl auch sein mag - die Fortbewegung entgegen allen Erwartungen gerade schwerer gestalten. Die Folge ist die unnötige Überbeanspruchung der Schultern und nach einer gewissen Zeit die Schädigung. Wenn diese Beschwerden erst einmal auftreten, scheint die Montage eines elektrischen Antriebs an demselben Rollstuhl die schnellste Lösung, sowohl seitens der Benutzer als auch seitens der Kommune. Eine Art der Symptombekämpfung, wodurch sich die Mobilität noch schneller verringert, weil immer weniger aktiver Einsatz gefordert wird.“

Leichtgewicht, Monoframe O4 Rollstuhl in Entwicklung

Für Menschen, die häufig mit dem PKW unterwegs sind, ist die Entscheidung schwierig. Sie wünschen sich einen leichten Rollstuhl, der unkompliziert aus einem Fahrzeug ein- und ausgeladen werden kann. „Unsere Stühle sind mit einem 4-Stufen-System ausgestattet, mit dem sich der Rollstuhl weitestgehend zusammenklappen lässt und hierdurch den Transport erleichtert. Zusätzlich entwickeln wir derzeit einen Monoframe-Leichtgewichtrollstuhl mit denselben Qualitätsmerkmalen und derselben Unterstützung wie bei unseren anderen Rollstühlen.“

Gerade eine zu „sichere“ Einstellung birgt Risiken

Ein zweiter und häufig gemachter „Fehler“ ist die falsche Einstellung. „Auf Messen stellen wir häufig unsere O4 4-Punkte-Waage auf. Wir sehen noch viel zu oft, dass viele Besucher zur Vermeidung des Hintenüberkippens ihren Rollstuhl so sicher einstellen, dass viel zu viel Gewicht auf den Vorderrädern lastet. Hierdurch rollt der Stuhl unnötig schwer und ist somit sehr schlecht für die Schultern.”

Image von Kippschutzrädern unangemessen

Viele Rollstuhlbenutzer lehnen Kippschutzräder ab, weil es sich schwieriger gestalten kann, auf oder von Bürgersteigen zu fahren. Außerdem sehen sie laut einiger Menschen wie „Stützräder“ aus. Jeroen plädiert für dieses Hilfsmittel: “Die Räder sorgen für, dass man seinen Stuhl so einstellen kann, dass das Gewicht möglichst viel auf den Hinterrädern ruht. Das müsste wichtiger sein, als die Erscheinung des Rollstuhls. Darüber hinaus entwickeln wir gerade gefederte Kippschutzräder, sodass Bürgersteige kein Problem mehr darstellen.“  Eine andere Lösung ist, die Bewältigung von Hindernissen zu trainieren. “Nehmen Sie beispielsweise an einem Wheelchair Skills Tag von KJ-Projects teil. Am Ende des Tages fühlen Sie sich viel sicherer im Umgang mit Ihrem Rollstuhl und kann dieser eventuell aktiver eingestellt werden.“

Anders ein- und zusammenstellen derzeit noch nicht immer möglich

Leider lassen sich die meisten Einstellungen bei vielen Rollstühlen nicht ändern, gerade bei den teuren, maßgefertigen Rollstühlen. Daher neigen die Händler und Ergotherapeuten dazu, sichere Einstellungen zu wählen. Aus diesem Grund bietet O4 Wheelchairs Workshops für Profis an, unter anderem über die Wichtigkeit einer exakten Einstellung. „Der angenehme Vorteil von O4 Rollstühlen ist, dass sie immer neu und stufenlos eingestellt werden können. Das ist angenehm, wenn man gerade den ersten Rollstuhl erworben hat, sich ein halbes Jahr lang daran gewöhnt hat und dann merkt, dass man sich eine aktivere Einstellung wünscht.“  Außerdem ist bei progressiven Erkrankungen, wie MS, ein flexibler Stuhl unerlässlich, da der Körper im Laufe der Zeit immer mehr Unterstützung verlangt. “Zusätzlich können Fußstützen, Armlehnen, Rückenlehne und Sitz auch ziemlich unkompliziert ausgetauscht werden.“

Arm- und Rückenlehnen

Ein anderes Thema, bei dem viele Rollstuhlbenutzer unbewusst die falsche Entscheidung treffen: Armlehnen. „Gerade junge Leute wollen lieber keine Armlehnen haben. Die stören nur beim Rollen und werden als ziemlich hässlich angesehen. In der Praxis erkennen wir jedoch, dass die Menschen vorüberlehnen und ihre Arme auf ihre Beine stützen. Ein Arm stell jedoch ungefähr 10 Prozent des eigenen Körpergewichts dar. Sie können sich also vorstellen, wie viel zusätzlicher Druck hierdurch auf Beine und Gesäß ausgeübt wird. Und beim Vorüberlehnen werden die Organe eingedrückt, was die Blutversorgung und die Funktionen einschränkt. „Längerfristig ist diese Körperhaltung auch noch schlecht für die Wirbelsäule. Die Lösung ist laut Jeroen ziemlich einfach: „An unseren gesamten Rollstühlen können abnehmbare Armlehnen montiert werden. Man kann sie anbringen, sobald man Müdigkeit spürt und wird auf diese Weise den Rücken automatisch gegen die Rückenlehne drücken.“ 

Zu niedrige Rückenlehne

Wählen Sie Ihre Rückenlehne nicht zu niedrig aus. „Dies gilt wiederum für die Jugendlichen; die wollen „möglichst wenig sichtbaren Rollstuhl“. Verständlich, aber unklug. Wenn eine Rückenlehne zu niedrig ist, treten schneller Ermüdungserscheinungen auf (weil die Unterstützung fehlt) und lehnt man sich vorüber. Organe und Wirbelsäule werden eingedrückt und das Gewicht lastet auf den Vorderrädern, wodurch die Schultern extrem belastet werden.“  Eine Rückenlehne sollte höchsten zwei bis drei Zentimeter unter den Schulterblättern enden. Dann kostet es viel weniger Mühe, aufrecht sitzenzubleiben. O4 Rollstühle haben keine enorme, flache Rückenlehne, sondern aufgrund ihrer gebogenen Form eine sportliche Ausstrahlung. „Das Tolle ist außerdem, dass man sogar ihre Farbe auswählen kann, in diesem Sommer werden noch zwei neue, von der Designerin Kelly Sue von Sue’s Warriors ausgewählte, trendige Farben hinzugefügt und bringen wir kultige Bezüge für die Rückenlehne auf den Markt.“ 

Pflegen Sie Ihren Stuhl und Ihren Körper

Zum Schluss noch einige Tipps zur Pflege Ihres Rollstuhls und Körpers: 

  • Bei zu geringem Reifendruck rollt Ihr Stuhl viel schwerer, was Ihre Schultern belastet. 
  • Dasselbe gilt für verschlissene Reifen. Pumpen Sie die Reifen also regelmäßig auf und tauschen Sie sie nötigenfalls aus;
  • halten Sie die Vorderräder sauber. Hauptsächlich Haare, Staub und Sand können sich in den Radlagern absetzen und das Rollen einschränken.
  • Halten Sie die Räder sauber. Schmieren Sie kein Fett auf die rotierenden Teile! Die Lager sind wartungsfrei; Fett zieht nur Schmutz an;
  • Schützen Sie den Sitz vor Feuchtigkeit. Der Schaumstoff verliert durch Feuchtigkeit einen Teil seiner Qualität. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Sitz nicht mehr ausreichende Unterstützung bietet? Lassen Sie ihn kontrollieren, hiermit wirken Sie unnötigem „Sitzfleisch“ und Unbequemlichkeit entgegen;
  • Ein Luftkissensitz sollte monatlich kontrolliert und nötigenfalls aufgeblasen werden. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Händler, wie das funktioniert!

Bleiben Sie fit im Rollstuhl: Zeigen Sie uns auf Facebook Ihr bevorzugtes Rollstuhl-Workout und wir stellen aus den besten Einsendungen in Zusammenarbeit mit einem Physiotherapeuten ein 10-minütiges Workout zusammen! Die beste Einsendung gewinnt ein Meet & Greet mit Laura de Vaan.

 

contact

kontakt

contact

contact

Mit diesen Rollstuhltipps können Sie Ihre Körperfunktionen möglichst lange erhalten