Nutzen Sie Ihren Rollstuhl schon länger, aber hat sich Ihr Körper im Lauf der Zeit verändert? Oder ist der Rollstuhl noch verhältnismäßig neu, doch Sie sind mit dem Sitzkomfort unzufrieden? Möglicherweise hat Ihr Rollstuhl nicht (mehr) die genau passende Einstellung. Jeroen Mengerink, Biomechaniker und Berater von O4 Wheelchairs, zählt uns 8 grundlegende Ausgangspunkte auf, mit denen Sie kontrollieren können, ob Ihr Rollstuhl noch einen angenehmen und passenden Sitzkomfort bietet.

Die folgende 8 Ausgangspunkte können Sie selbst prüfen, beispielsweise mithilfe eines Spiegels oder gemeinsam mit Ihrem Partner, Kind oder guten Freunden. Sollte Ihr Rollstuhl bei einem oder mehreren Punkten stark abweichen, ist es empfehlenswert, mit Ihrem Fachhändler Kontakt aufzunehmen.

1. Beckenunterstützung

Jeroen: „Die Basis für einen guten Sitz liegt im Becken und den Hüften. Das Gesäß, also die Sitzknochen und der untere Rückenbereich, muss das Becken stützen, damit es in der richtigen Position bleibt. Das bedeutet, dass der Rücken seine natürliche S-Form einnimmt, aufrecht mit einer leichten Krümmung im unteren Rückenbereich. Dies bewahrt Rücken und Organe vor Beschwerden. Ein Rollstuhlsitz muss hierfür mit einem Ergo-Knick ausgestattet sein; die hintere Seite des Sitzes ist niedriger als die Vorderseite. Mit einer guten Unterstützung des unteren Rückens sorgt dies dafür, dass das Becken nicht nach hinten kippen kann, sich der Rücken krümmt und Sie nicht in eine Rundrückenhaltung absinken.”

2. Manuelle Rückenlehnen-Einstellung

„Wenn sich das Becken in einer guten Position befindet, können Sie ausprobieren, wie die Rückenlehne am besten eingestellt werden kann. Wichtig ist, dass ein Rollstuhl den unteren Rückenbereich ausreichend stützt, sodass das Becken etwas nach vorne kippt. Neben dieser korrekten Basiseinstellung ist es für eine dynamische Sitzhaltung auch wichtig, dass sich Ihr Stuhl mit Ihren Aktivitäten mitbewegen kann. Die Rollstühle von O4 können allesamt mit einer manuellen Rückeneinstellung versehen werden. Hiermit ist es für Sie möglich, den Stand der Rückenlehne und somit Ihre Sitzhaltung anzupassen.”

3. Höhe der Rückenlehne

„Die Höhe der Rückenlehne ist für eine korrekte Sitzhaltung ausschlaggebend. Gerade jüngere Rollstuhlfahrer, die von „möglichst wenig Rollstuhl“ umgeben sein wollen, entscheiden sich häufig für eine zu niedrige Rückenlehne. Auf Basis von Studien und Erfahrung handhaben wir die Faustregel, dass die Rückenlehne idealerweise bei maximal 2 bis 3 Zentimetern unter den Schulterblättern enden darf. Wenn Becken und Rücken gut gestützt werden, kann man aufrecht und entspannt sitzen. Man fällt nicht in sich zusammen und Rumpf und Lungen haben ausreichend Platz. Wenn dies nicht gegeben ist, tritt Kurzatmigkeit ein. Magen und Darm können Nahrung weniger gut verdauen und die restlichen Organe funktionieren ebenfalls nicht optimal. Dies alles führt zu einem ansehnlichen Energiemangel.”

4. Beinunterstützung

„Damit die korrekte Beinunterstützung ermittelt wird, betrachten wir die Sitzlänge oder die Sitztiefe. Wenn ein Sitz zu tief ist, wird man geradezu aus dem Sitz gezogen, da man mit den Unterschenkeln gegen die Vorderseite des Sitzes drückt. Blut- und Lymphbahnen verlaufen entlang der Kniekehle; diese Gefäße werden dann abgeklemmt. Unzureichende Blutversorgung der Unterschenkel kann dann zu Beschwerden führen, wie Gefühllosigkeit und Schmerzen in Unterschekeln und Füßen. Ein zu kurzer Sitz dahingegen zieht nach sich, dass die Beine nach außen fallen können, was wiederum zu einer instabilen Sitzhaltung mit Rückenbeschwerden führt. Hinzu kommt, dass ein zu kurzer Sitz die Fläche, auf der das Gewicht des Rumpfes ruht, verringert. Je kleiner diese Fläche ist, desto größer ist der Sitzdruck, was wiederum Dekubitus verursachen kann. Je nach Rollstuhlnutzung handhaben wir 4-7 cm als Abstand zwischen Sitzvorderseite und Kniekehle. Wenn man mittrippelt muss dieser Abstand größer sein, als wenn die Füße - wie meistens - auf den Fußplatten ruhen.“

5. Sitzbreite 

„Wenn ein Sitz zu breit ist, werden Hüften und Oberschenkel eines Rollstuhlnutzers nicht richtig gestützt. Die Folge ist, dass die Beine nach außen kippen, drehen oder nach unten fallen. Das Becken kippt nach vorne, wodurch man „in sich zusammenfällt“. Eine eventuell weitere Folge eines zu breiten Sitzes ist, dass der Nutzer schiefsitzt und dies mit seinem oder ihrem Rücken ausgleicht. Hierdurch entwickeln sich lang- oder kurzfristig allerlei Beschwerden, wie Schmerzen und letztendlich Rückgratverkrümmung. Ein zu schmaler Sitz kommt nahezu nicht vor, da dies einfach sofort Schmerzen an Hüften und Gesäß hervorruft.“

6. Fußplatten

„Sind die Fußplatten zu hoch eingestellt, drückt man die Knie und somit auch die Oberschenkel nach oben. Hierdurch verteilt sich der Sitzdruck nicht auf die gesamten Oberschenkel und das Gesäß; der Druck auf das Gesäß wird ansehnlich größer. Dies kann zu Dekubitus führen. Sind die Fußplatten zu niedrig eingestellt, werden die Beine hängen und die Durchblutung der Beine abgeklemmt.”

7. Ergo-dynamisch fahren

„Für ein leichtes und ergo-dynamisches Fahren ist Ihre Position zu den Hinterrädern am wichtigsten.  Der Rücken sollte in einer Linie zu den Achsen stehen, das Becken sollte sich ein wenig hinter der Achse befinden. Wenn die Schultern zu weit vor den Achsen der Hinterräder liegen, lastet viel Gewicht und Druck auf den Vorderrädern und sorgt dafür, dass ein Rollstuhl unnötig schwer rollt. Eine korrekte Sitzhaltung in der Verlängerung der Hinterradachse entlastet die Schultergelenke, wodurch auf lange Sicht eventuelle Schädigung vermieden wird. Die Räder dürfen allerdings auch nicht zu groß oder zu klein sein. Wenn sie zu klein sind, hat man weniger Kraft zum Fahren, da man ausschließlich die Hände oder Unterarme einsetzt. Sind die Räder zu groß, kann es vorkommen, dass man beim Fahren die Schulter hochziehen muss, was wiederum nicht gut für die Schultergelenke ist. Wir handhaben die folgende Faustregel: Man muss mit den Fingerspitzen beinahe die Hinterradmitte antippen können.“

Lesen Sie hier mehr über leichtes Fahren

8. Die Sitzhaltung abwechseln

„Menschen, die nicht von einem Rollstuhl abhängig sind, ändern ihre Sitzhaltung je nach Aktivität. Dynamisches Sitzen – wie wir das nennen – ist auch für Rollstuhlnutzer unglaublich wichtig. Es sorgt bewiesenermaßen für mehr Vitalität. Deshalb ist es wichtig, dass man selbst die Neigung der Rückenlehen und den Sitz ändern kann. Das Außergewöhnliche an den O4 Rollstühlen ist, dass unseren Kunden diese Möglichkeit zur Verfügung steht. Die Anpassung wird dank unserer patentierten Sitzwinkel- und Rückenlehnen-Einstellung in unseren Hoppern ermöglicht. Hiermit kann man im Verlauf des Tages die Sitzhaltung je nach der aktuellen Tätigkeit anpassen.“ 

Ergo-dynamisch arbeiten

Ein guter Sitz im Rollstuhl verschafft Ihnen auch mehr Bewegungsfreiheit. Zum Beispiel am Arbeitsplatz. Jeroen beschreibt hier den Arbeitsrollstuhl von O4, den WorkHopper. „Die Menschen können selbst die Neigung oder Stand des Sitzes anpassen, damit etwas in ihrer Umgebung besser greifen können. Das ist praktisch, wenn man einen Drucker oder Kopierer bedienen oder etwas aus einem höheren Schrank nehmen will. Das geht auch mit unserem ActivRelaxHopper. Darüber hinaus bietet dieser Rollstuhl auch eine Neigungseinstellung nach unten, wodurch der Rollstuhlnutzer neben einer aktiveren Haltung auch mehr entspannen kann, beispielsweise im Liegestand. Vielen Nutzern tut es gut, wenn sie sich zwischendurch in ihrem Rollstuhl kurz entspannen können. Nach einer solchen Ruhepause haben sie wieder neue Energie getankt und können ihre Tätigkeit wieder fortsetzen.

Beeinträchtigt Sie der Rollstuhl bei der Arbeit? Lesen Sie hier, wie Sie einen Arbeitsrollstuhl beantragen.

Entspricht Ihr Rollstuhl eventuell nicht (mehr) allen 8 Ausgangspunkten? Wenden Sie sich an Ihren Fachhändler. Bitten Sie auch unbedingt um eine kostenlose Probewoche mit einem unserer Hopper. Wir werden dann schnellstmöglich mit Ihnen Kontakt aufnehmen.

 

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