Kürbissuppe, Laub in den schönsten Farben, aber auch sehr viel Regen – das ist der niederländische Herbst. Und der Regen stellt Sie als Rollstuhlfahrer vor so manche Herausforderung, wenn Sie draußen unterwegs sind. Aber Sie sind ja nicht aus Zucker! Wenn Sie das Auto stehenlassen und stattdessen direkt mit dem Rollstuhl fahren wollen, haben wir einige wertvolle Tipps für Sie. 

Die dicken Tropfen, die gegen das Fenster prasseln, ändern nichts daran, dass Sie noch kurz zum Supermarkt müssen. Der ist nur vier Straßen entfernt, und extra ins Auto zu steigen, ist um einiges umständlicher, als schnell selbst mit dem Rollstuhl hinzufahren. Außerdem lieben Sie es, draußen zu sein. Sie lassen sich von ein bisschen Regen doch nicht abhalten?! Sie wollen dem Herbst trotzen? Beachten Sie dann Folgendes:

Grip oder Glätte

Blätter, Nässe und Matsch –  da ist Glätte vorprogrammiert. Für ausreichenden Grip auf der Straße mit einem handbetriebenen Rollstuhl kommt es auf zwei Dinge an: auf das Reifenprofil – sowohl vorne als auch hinten – und auf den richtigen Reifendruck. Was den Reifendruck betrifft, sind die Vorlieben verschieden, erzählt Berater Michiel Raterink von O4 Wheelchairs. Er selbst befürwortet einen höheren Reifendruck. „Je nach Reifen so um die 8 bar. Ein harter Reifen hat weniger Rollwiderstand und kostet darum weniger Energie.“ Je härter allerdings der Reifen, desto geringer die Fläche, die Kontakt mit dem Untergrund hat, und desto geringer die Haftung. Bei schlechtem Wetter kann daher ein Reifendruck von 4 bis 5 bar von Vorteil sein. „Überprüfen Sie aber den zulässigen Maximaldruck, Sie finden die entsprechende Angabe an der Seite jedes Reifens. Bei Matschwetter sollte der Reifendruck etwas mehr als die Hälfte des zulässigen Maximaldrucks betragen“, rät Michiel.

Zusätzlicher Reifensatz

Da Profil den Rollwiderstand erhöht, bevorzugen die meisten Rollstuhlfahrer Reifen mit einem nicht allzu groben Profil. Da sich die Räder bei den meisten Rollstühlen und erst recht bei den Hopper-Modellen recht einfach wechseln lassen, wird empfohlen, sich einen zusätzlichen Satz Räder in Form von Mountainbike-Rädern anzuschaffen. Michiel: „Gut geeignet sind beispielsweise die von Schwalbe. Besorgen Sie sich außerdem eine Rädertasche, diese bekommen Sie bei jedem Fahrradhändler. Darin lassen sich die normalen Räder problemlos mitnehmen, wenn Sie eine Aktivität geplant haben. Wenn Sie nach Ihrem Ausflug durch den Wald wieder nach Hause kommen, ziehen Sie einfach die sauberen Reifen auf, und der Schmutz bleibt draußen.“ Pumpen Sie die Mountainbike-Reifen ganz nach Ihren Wünschen auf. Ein weicher Reifen bietet mehr Haftung, das Profil aber auch. Michiel warnt: „Mountainbike-Reifen können im Allgemeinen einen geringeren zulässigen Maximaldruck haben. Werfen Sie einen Blick auf die Seiten der Reifen, dort ist der zulässige Maximaldruck angegeben!“

Spritzer

Ihr aktiver Rädersatz ist natürlich ohne Seitenschilder mit Spritzschutz nicht komplett. „Wir bieten Spritzschutz aus Aluminium und Carbon, beides sehr leicht. Unser Spritzschutz aus Carbon ist noch ein bisschen härter, weshalb er auch gern zum Abstützen der Arme genutzt wird. Praktisch für alle aktiven Rollstuhlfahrer, die keine richtigen Armlehnen wollen.“

Grip auf dem Greifring

Nässe beeinträchtigt nicht nur den Grip auf der Straße, sondern auch auf Ihren Greifringen. Eine einfache und kostengünstige Lösung sind Rollstuhlhandschuhe. Michiel: „Außerdem schützen sie gewissermaßen auch Ihre Hände. Mit und ohne Finger erhältlich. Allerdings werden Sie feststellen, dass der Grip bei starkem Regen und bei Matsch auch mit Handschuhen zu wünschen übrig lässt. Daher das große Angebot an Greifringen, die den Grip verstärken. „Diese Greifringe besitzen eine klebrige Schicht aus vulkanisiertem Kunststoff. Das Maß der Klebrigkeit variiert von Para-Grip (geringste Klebrigkeit) über Tetra-Grip bis hin zu Ultra-Grip. Daneben spielt auch die Größe der Grip-Fläche auf dem Greifring eine Rolle. Greifringe, die vollständig mit einem den Grip verstärkenden Kunststoff überzogen sind, bieten besonders viel Grip und eignen sich vor allem für Menschen mit eingeschränkter Funktionsfähigkeit der Hände, die keine weiten Strecken zurücklegen oder nicht schnell und aktiv fahren, denn für das Bremsen mit den Händen ist der erhöhte Grip sehr lästig, insbesondere aufgrund der Wärmeentwicklung. Daher empfehlen wir den aktiveren Fahrern die Zwischenvariante Ergo-Grip, bei der nur der Antriebsbereich für den Daumen oben auf dem Reifen mit Kunststoff überzogen ist. Außerdem stehen Ihnen auch noch unsere Greifringe Ergo-Grip Active mit schmalem Kunststoffstreifen über einem schmaleren Greifring zur Verfügung.“Doch selbst Greifringe, die den Grip verstärken, verlieren bei Nässe etwas Grip. Daher empfehlen wir die Kombination mit Handschuhen. Es gibt auch Bezüge für Greifringe, die den Grip verstärken sollen. Davon rät Michiel aber ausdrücklich ab: „Wir hören immer wieder, dass diese Bezüge gerade bei Regen auf dem Greifring rutschen. Das kann richtig gefährlich werden, da man jeglichen Grip verliert.“

Fashionably dry

Nichts ist unangenehmer, als klitschnass am Ziel anzukommen. Glücklicherweise gibt es eine große Auswahl an spezieller Regenkleidung, wasserdichten Taschen und speziellen Regenschirmen. Werfen Sie mal einen Blick auf die Website von Kinetic Balance, einem niederländischen Hersteller von stilvoller Outdoor-Kleidung für Rollstuhlfahrer. Sie stellen unter anderem wasserdichte Regendecken für die Beine, wasserdichte Jacken und wasserabweisende Taschen her, in denen Sie Ihre Sachen trocken transportieren können. Sogar Ihr Smartphone oder Ihren Laptop. Und das war noch nicht alles. Quokka bietet hübsche, ergonomische, wasserabweisende Taschen, die Sie über ein praktisches Klicksystem an der Vorderseite Ihres Rahmens befestigen können, so dass Sie jederzeit herankommen.  


Für unterwegs empfiehlt sich ein Poncho. Raffinierte Modelle werden mit einem Gummiband unter den Fußklappen befestigt. Die Marke Splash beispielsweise bietet Ponchos – auf Wunsch mit einem warmen Futter – in bescheidenem Dunkelblau mit Reflektionsstreifen. Wer es lieber etwas auffälliger mag, für den ist der Aidapt Poncho in Knallrot vielleicht das Richtige. Gleiches gilt für den – alles andere als gewöhnlichen - Nubrella, eine Art Kuppelregenschirm, der am Rollstuhl befestigt und bei Bedarf ein- und ausgeklappt werden kann. Trotzt Wind und Wetter, aber Sie sitzen im wahrsten Sinne des Wortes in einer Kapsel. Natürlich lassen sich aber auch ganz „normale“ Regenschirme, beispielsweise von Vitility, am Rahmen befestigen. Achten Sie darauf, dass Unterschenkel, Rücken oder Sitz nicht nass werden!    

Trocken sitzen

Und für den Fall, dass doch einmal Regen auf Ihren Sitz gelangt, haben Sie diesen natürlich wasserdicht gemacht. Der Markt hält unzählige Bezüge bereit. Michiel: „Wer einen Stuhl mit losem Sitzkissen hat, sollte sich online oder bei seinem Lieferanten danach erkundigen, ob dieses einen wasserdichten Bezug unter dem Stoff hat. Bei den meisten ist das der Fall. Falls nicht, gibt es Dutzende Bezüge nach Maß. Rollstühle von O4 sind mit festen Sitzen (Sitz und Sitzkissen in einem) ausgestattet, für die wir einen schnell und einfach zu montierenden wasserdichten Schutzbezug anbieten.“ Sie haben einen Sitz aus Skai-Leder (hochwertiges Kunstleder)? „Einfach mit feuchtigkeits- und schmutzabweisendem Spray, das in erster Linie bei Schuhen zum Einsatz kommt, einsprühen.“ Achten Sie aber darauf, dass es vor Gebrauch gut einzieht, damit es nicht abfärbt.

Ein sauberer Stuhl ist die halbe Miete

Im Herbst ist es besonders wichtig, seinen Rollstuhl sorgfältig und regelmäßig zu pflegen, so Michiel. „Der Rollstuhl sollte sauber sein, insbesondere die rotierenden Teile. Wenn daran Matsch oder anderweitiger Schmutz haften bleibt, sorgt das für einen hohen Verschleiß und Widerstand.“ Anders, als man vielleicht erwarten würde, ist zusätzliches Ölen oder Schmieren nicht notwendig. „Die meisten Lager heutzutage sind wartungsfrei, aber schlagen Sie das zur Sicherheit in Ihrem Benutzerhandbuch nach. Schmieren Sie auf wartungsfreie Lager bloß kein Fett. Das zieht Schmutz gerade an, mit allen negativen Folgen“, warnt Michiel. Was die anderen Teile betrifft, gilt laut dem Berater schlicht und ergreifend: „Wenn es schleift und knirscht, wirkt etwas Löseöl Wunder.“ Oder rufen Sie Ihren Lieferanten an, um einen Wartungstermin zu vereinbaren.


Zum Schluss hat Michiel noch einen heißen Tipp: „Silikonspray. Das wird in der Welt der Mountainbikes eingesetzt, um den Rahmen und weitere Bestandteile des Fahrrads vor Schmutz und Feuchtigkeit zu schützen. Sprühen Sie das Silikonspray auf den gesamten Rollstuhl (mit Ausnahme der Lager), dann bleibt der Schmutz nicht so schnell haften.“

 

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Herbst – mit dem Rollstuhl durch den Regen