Erleben Sie als Rollstuhlfahrer manchmal Ärger bei der Arbeit aufgrund unangepasster Einrichtungen oder sozialer Schwierigkeiten? Hier finden Sie 10 praktische Tipps, um Frust bei der Arbeit zu reduzieren oder sogar zu unterbinden. Die Tipps basieren auf einer Studie über die größten rollstuhlbedingten Probleme bei der Arbeit, die von O4 Wheelchairs kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Support Magazine durchgeführt wurde.

Die laut Studie 10 größten rollstuhlbedingten Probleme mit den Gegebenheiten am Arbeitsplatz sind:

  1. Behindertentoilette
  2. Türen    
  3. Evakuierungsplan
  4. Aufzug
  5. Behindertenparkplatz
  6. Kaffeemaschine und ‘Neues Arbeiten’
  7. Unzugängliche Lage/Gebäudeeingang
  8. Drucker/Kopierer nicht bedienbar
  9. Zu enger Arbeitsplatz
  10. Arbeitsmaterialien nicht erreichbar

Tipp 1: Sorgen Sie für eine gute Toilette. Das erspart Ihnen Stress.

„Wenn Ihr Arbeitgeber vorhat, eine Behindertentoilette zu installieren, ist es wichtig, dass die Einteilung stimmt, sonst ist es rausgeschmissenes Geld“, sagt Denise Janmaat, Direktorin des Nederlands Instituut voor Toegankelijkheid (Niederländischen Instituts für Barrierefreiheit), die dieses Problem aus eigener Erfahrung kennt. „Lassen Sie daher zuerst eine Zeichnung anfertigen und diese von einem Experten prüfen". Arbeitgeber in den Niederlanden können beim UWV (Leistungsträger für Arbeitnehmerversicherungen) einen Zuschuss für die Toilette beantragen, bevor die Kosten anfallen. Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die Behindertentoilette oft von Kollegen besetzt wird. Erklären Sie, dass sie auf diese Toilette angewiesen sind und nicht ständig von nicht behinderten Personen benutzt werden sollte.

Tipp 2: Sorgen Sie dafür, dass keine schweren Türen verwendet werden.

Schwere Türen, zum Beispiel mit Türschließern, sind von Rollstuhlfahrern nur schwierig zu öffnen. Brandsicherheitsexperte Dr. Ing. Jeroen Jansen von BrandveiligNL über (Teil-)Lösungen: „Lassen Sie Ihren Arbeitgeber prüfen, ob der Türschließer wirklich notwendig ist, etwa um eine Brandabteilung geschlossen zu halten, gegen Zug oder aus Sicherheitsgründen. Ziehen Sie hierbei die Bauverordnung oder den Nutzungsplan zu Rate. Oder fragen Sie, ob ein automatischer Türöffner möglich ist. Dieser müsste dann von der Feuermeldezentrale aus gesteuert werden.“

Tipp 3: Erstellen Sie einen Persönlichen Evakuierungsplan. So fühlen Sie sich sicherer.

Evakuierungspläne sind oft unzureichend, wie Untersuchungen zeigen. Ton Rooijakkers, Chefredakteur des Facilitair Journaal, empfiehlt: „Weisen Sie Ihren Arbeitgeber darauf hin, dass er jedes Jahr eine Risikoinventur und -bewertung testen muss und dass Mitarbeitern mit einer Behinderung dabei besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist. Und fragen Sie, ob für Sie ein Persönlicher Entwicklungsplan (Personal Emergency Evacuation Plan - PEEP) entwickelt werden kann. Das ist ein Fluchtplan für Personen, die bei einer Katastrophe ein Gebäude nicht selbständig verlassen können.“ Sehen Sie auch den Artikel rolstoeltoegankelijk evacueren (Rollstuhlgerecht evakuieren) vom Niederländischen Institut für Barrierefreiheit.

Tipp 4: Schaffen Sie eine gute Grundlage für die Arbeit. So funktioniert alles besser.

Stellen Sie sicher, dass der Arbeitsplatz und andere wichtige Orte wie die Kantine, der Eingang, der Aufzug sowie Arbeitsmaterialien und der Drucker leicht zugänglich sind. Janmaat: „Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz kompakt. Stellen Sie alles in einer möglichst logischen Ordnung nahe beieinander auf. Zum Beispiel einen Drucker auf dem Tisch neben Ihnen. Das UWV kann Ihnen bei der Zusammenstellung von Materialien für einen angepassten Arbeitsplatz behilflich sein.“

Tipp 5: Lassen Sie Ihren Arbeitgeber mit dem Vermieter über die Zugänglichkeit des Gebäudes sprechen.

„Vor 2 Jahren haben die Niederlande die Behindertenkonvention der Vereinten Nationen (UN)  ratifiziert“, sagt Kim Kroon, Immobilienanwalt bei Van Till Advocaten. „Das bedeutet, dass wir verpflichtet sind, Gebäude für Menschen mit einer Behinderung zugänglich zu machen. Aber dazu liegt noch keine oder nur wenig konkrete Gesetzgebung vor. Wenn der Arbeitgeber / Mieter Anpassungen am Gebäude vornehmen möchte, ist es am besten, sich mit dem Eigentümer / Vermieter abzustimmen. Beide Parteien sollten versuchen, miteinander gute Vereinbarungen zu treffen, z.B. über die Aufteilung der Kosten. Durch Anpassungen für eine bessere Zugänglichkeit kann sich der Wert einer Immobilie erhöhen. Das ist positiv für den Vermieter.“

Tipp 6: Das neue, flexible Arbeiten. Nachteile, aber auch Vorteile.

Besprechungen an Stehtischen sind beliebt. Für Sie wäre dabei eine sichere Erhöhung/Rampe nützlich, damit Sie stehen können. Und kommt der Lift immer, auch wenn die Kollegen einen Treppentag machen? Versuchen Sie auch, öfter zu Hause zu arbeiten. Janmaat: „Wenn Sie einen schlechten Tag haben oder die Wetterbedingungen nicht stimmen, ist es schöner, zu Hause zu arbeiten. Sie können so immer noch produktiv sein.“

Tipp 7: Mitdenken und angemessen reagieren. So bleibt das Arbeitsverhältnis gesund.

Kommt Ihr Arbeitgeber von sich aus mit Beschwerden auf Sie zu, die mit Ihrer Tätigkeit als Rollstuhlfahrer zusammenhängen? Nehmen Sie so etwas am besten selbst in die Hand! Bieten Sie Lösungen an. Auf diese Weise kommen Sie positiv rüber und werden ernst genommen.

Tipp 8: Denken Sie inklusiv. Auch auf Reisen und bei externen Anlässen.

In der Studie stellten sich zwei große soziale Probleme heraus, die viele Rollstuhlfahrer in ihrer aktuellen Arbeitssituation erleben: Besucher / Kollegen wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen und man kann nicht einfach mal Kaffee für die Kollegen holen. Versuchen Sie, Probleme mit Kollegen selbst anzusprechen. Schlagen Sie beispielsweise einen Betriebsausflug vor, an dem auch Sie teilnehmen können. Und lassen Sie Ihren Arbeitgeber eine offene Atmosphäre schaffen, in der der ehrliche Dialog im Mittelpunkt steht.

Tipp 9: Lassen Sie Kollegen Ihre Situation einmal selbst erleben. So sorgen Sie für Verständnis.

„Geben Sie Beispiele für Ihre Situation“, erzählt Janmaat. „Dann werden die Kollegen selber sehen, dass einige Dinge, wie z.B. mal kurz an die frische Luft gehen, für einen Rollstuhlfahrer nicht einfach sind. Oder fragen Sie, ob Ihr Arbeitgeber eine Sensibilisierungsschulung organisieren möchte oder mal einen Rollstuhl mieten kann, damit die Kollegen einen Tag selbst darin verbringen können. Und wie wäre es mit einem Betriebsausflug über eine speziell auf eine ehrenamtliche Tätigkeit mit Behinderten eingerichtete Organisation wie de Zonnebloem? Ein besonderes Erlebnis!“

Tipp 10: Versuchen Sie, Ihren Arbeitgeber zu veranlassen, mehrere behinderte Menschen einzustellen.

„Wenn Ihr Betrieb Investitionen für mehrere Mitarbeiter mit einer Behinderung tätigt, wird es bei weitem nicht so teuer“, sagt Janmaat. „Und wenn sich Ihr Arbeitgeber an das UWV wendet, dann können Arbeitgeber Anspruch auf Zuschüsse erheben. Vor allem aber sind Sie als Rollstuhlfahrer nicht mehr die eine Ausnahme. Es wird einfacher, Dinge erledigt zu bekommen. Kollegen gewöhnen sich schneller daran und haben mehr Verständnis. Und es ist auch gut für das Image Ihrer Firma!“

contact

kontakt

contact

contact

Onderzoek werken in een rolstoel